Multimedia liegt in der Luft
Von
Dipl. Kom. Wilfred Lindo
Neben den traditionellen, terrestrischen Technologien wird zunehmend die satellitengestützte Datenübertragung bei breitbandigen
Multimediadiensten eine wichtige Rolle spielen. Zum Beispiel für den schnellen Zugriff auf das Internet und andere Online-Netzdienste,
für Video-Conferencing und Videotelefonie, für Unterhaltungsdienste (bei-spielsweise Video-on-demand und interaktive Spiele), für Tele-Medizin,
Tele-Lernen sowie Tele-Arbeit.
Bei aller Euphorie sind die Hoffnungen der Anbieter vielfach überzogen. Angesichts der enormen Investitionen in Milliardenhöhe stellt sich die
Frage, ob die Satellitenkommunikation auf breiter Basis wirklich bereits bestehende Kommunikationsmittel verdrängen kann. Besonders in
Bereichen der mobilen Kommunikation, wo längst der Preis das ausschlaggebene Argument ist, werden die Satellitenanbieter große
Schwierigkeiten haben, in dem Preiskampf mitzuhalten. Zumal neben den bereits etablierten Anbietern in den nächsten Jahren noch eine
größere Anzahl von Konsortien in den Orbit drängen.
Besonders im Bereich der breitbandigen Datenübertragung sind die meisten Projekte noch reine Zukunftsmusik. So halten sich auch viele
Provider mit ihrer Begeisterung noch sehr zurück. In absehbarer Zeit wird es keine Ablösung der vorhandenen Leitungsstruktur geben.
Satelliten werden vielleicht ergänzend eingesetzt werden, doch können sie die bestehende Struktur nicht ersetzen. Sie eignen sich hervorragend
für das Erreichen von Regionen mit einer schwachen bzw. gar nicht vorhandenen Infrastruktur. Da die Signale jedoch die Erde Richtung Satellit
verlassen müssen und danach wieder zurück auf die Erde transferiert werden, entsteht eine Zeitverzögerung. Datendienste und Internet Dienste
können mit dieser Zeitverzögerung nur innerhalb bestimmter Parameter vernünftig funktionieren. Das limitiert den Einsatz von Satellitentechnologie
erheblich. Zudem sieht sich der Satellit hier in Konkurrenz zu anderen Technologien, z.B. der Glasfaser, die viele Vorteile bietet.
Mittelfristig wird sich wohl die Satellitenkommunikation in erster Linie im Bereich Mobilfunk und bei speziellen Diensten durchsetzen. Langfristig
werden sich wohl nur wenige Satelliten-Anbieter durchsetzen können. Entsprechend ist anzunehmen, dass so Milliarden nutzlos in den Weltraum
geschossen werden. Selbst das zentrale Argument der Anbieter der absolut ausfallsicheren Kommunikation hat in den letzten Monaten einige
Dämpfer erhalten. So haben Ausfälle von Satelliten bereits für ungewollte Kommunikationspausen gesorgt. Auch neue Dienste auf Basis der
orbitalen Kommunikation, beispielsweise Business-TV, konnten für sich bisher den breiten Durchbruch nicht verzeichnen. So wird wohl für einige
Anbieter der erhoffte Höhenflug in einer kostspieligen Bruchlandung enden.
Über den Autor:
Redaktionsbüro Lindo http://www.lindo.de.
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