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Audiotex - Ruf doch mal an

Von Dipl. Kom. Wilfred Lindo

Längst gehört das Telefon in deutschen Landen zur absoluten Selbstverständlichkeit. Ob Handy, Komforttelefon oder Zelle, das Telefon ist aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Doch das geliebte Telefon kann bereits viel mehr. Die Rede ist von Sprachmehrwertdiensten der Telekom.

Schon heute geschieht ein Großteil der Kommunikation per Hörer. Allein in der Bundesrepublik Deutschland sind mehr als 30 Millionen Anschlüsse verfügbar. Das sind fast 90 Prozent der Bevölkerung. Doch Dank der Technik geht der Umgang mit dem Telefon weit über das einfache Anrufen hinaus. Vorbei ist die Zeit von Wählscheibe und grauen Apparaten. Sprachmehrwertdienste oder im Telekom-Jargon auch als Audiotex bezeichnet, stellen die Zukunft des Telefonierens dar. Was im Volksmund in erster Linie als Sexlines bekannt ist, verbirgt die modernste Form der Informationsbeschaffung. So bieten einige private Anbieter aus allen Bereichen die unterschiedlichsten Dienste und Themen an. Dabei wird der interaktive Abruf der gewünschten Infos groß geschrieben. Von der Hotline des Fußballclubs, über Infodienste aus der Wirtschaft bis hin zum reinen Entertainment. Fast jedes erdenkliche Thema steht zur Verfügung. Dabei dürfen natürlich auch nicht die sogenannten Partylines oder Partnerbörsen vergessen werden. Gerade dieser Bereich in den letzten Wochen wieder stark ins Gerede gekommen. Gebührenskandal und Telefonsex machten wieder die Runde in der Tagespresse. Dabei vermischen sich immer unterschiedliche Dienstleistungen.

Kontrolle am Hörer?
Doch längst sind die ausländischen Anbieter auf dem deutschen Markt zu finden. Ob im benachbarten Holland oder auf einer Karibik-Insel, die Tages- und Boulevard-Blätter sind voll mit zweideutigen Angeboten per Telefon. Irgendwo in der Karibik treffen sich so ausgelassene Telefonfans zu einer virtuellen Party oder Sie lauschen aus dem fernen Hongkong oder Australien erregten Telefon-Sexpartnern.

Der Umgang mit dem Medium
Was steckt nun technisch hinter einem Mehrwertdienst? Interessanterweise beginnt die Ansage immer am Anfang und nicht in Mitten des Textes, was früher bei den Ansagediensten der Post üblich war. Dafür verantwortlich sind spezielle Sprachcomputer, die längst die altmodische Bandmaschine abgelöst haben. Diese Computer sind mit einer Vielzahl von Telefonleitungen direkt verbunden. Sämtliche Sprachinformationen liegen als Dateien auf dem Rechner. Bei jedem Anruf startet ein neues Programm. Über ein spezielles Modul kann der Anrufer in verschiedene Unterprogramme mittels Schlüsselwörter oder akustischer Signale verzweigen. Hier liegt dann auch die interessanteste Möglichkeit dieser modernen Sprachmehrwertdienste: die Interaktivität.

Je nach Angebot benötigt der Anrufer eine gewisse Ausstattung, um an interaktiven Diensten teilzunehmen. Bei reinen Ansagedienste genügt natürlich jedes normale Telefon. Gibt es die Chance, selbst den Weg durch den Dienst zu bestimmen, ist dazu ein Touch-Ton-Telefon (Tonwahlverfahren) oder ein Tonwahlgeber, der auch für die Fernabfrage eines Anrufbeantworters benutzt wird, vonnöten. Viele modernen Telefone lassen sich auch auf Tastendruck auf das Mehrfrequenzwahlverfahren umstellen. Wer noch ein älteres Telefon besitzt, der bekommt einen einfachen Tonwahlgeber bereits für wenige Cent im Bastelbedarf oder in jedem Kaufhaus. Auf Kommando geben Sie dann über das Telefon bestimmte Zahlen ein, die das System als Kommando verarbeitet. Neueste Mehrwertdienste lassen sich auch durch einfache Sprachkommandos steuern. Hierzu sagen Sie bestimmte Befehle und das System reagiert entsprechend. Hier benötigen Sie natürlich keine zusätzliche Ausstattung.

Was bietet der Markt
Der bekannteste Bereich bei den Mehrwertdiensten sind sogenannte Dating-Dienste. Hinlänglich bekannt als Party- oder Flirtlines. Dahinter steckt immer eine Art Kontaktbörse, die Wünsche nach einem Zusammentreffen aufzeichnet und auf Abruf diese Nachrichten wiedergibt. Ein direkter Austausch von Nachrichten findet zwischen den Kontaktsuchenden selten statt. Der nächste Bereich deckt Angebote aus Spiel und Entertainment ab. Häufig trifft der Anrufer hierbei auf interaktive Adventures, die es zu lösen gilt. Gerade hier finden sich zum Teil die interessantesten Umsetzungen. Immer häufiger sind kostenpflichtige Hotlines von Werbeaktionen anzutreffen. Diese Angebote sind meist nur für eine begrenzte Zeit geschaltet und mit Werbeaktionen in Funk, Fernsehen oder Printmedien kombiniert. Der Anrufer nennt in den meisten Fällen ein Lösungswort und seine Adresse und nimmt so an einer Verlosung teil. Immer häufiger bieten die Medien zu ihrem eigenen Angebot weiterführenden Informationen an. So erhält der Anrufer Hintergrundinformationen zu seinem Lieblingsstar, erfährt wie es in der Folge einer Fernsehserie weitergeht oder übermittelt Grüße für eine Radiosendung. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Wer sein Glück in den Sternen sucht, findet zum Thema Astrologie und Übersinnliches ein reichhaltiges Angebot. Vom Tageshoroskop bis hin zum Lesen aus den Karten hat fast jeder private Anbieter einen entsprechenden Dienst zu laufen. Neben den Diensten, die in erster Linie der reinen Unterhaltung dienen, gibt es auch eine ganze Reihe von Informations- und Wirtschaftsdiensten im Telefonnetz. Hierbei sind Börsenkurse, branchenspezifische Informationen, Flugdaten, Finanztipps und Reisetipps im Angebot.

Zukunft des Telefons
Das Telefon wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Kommunikation und Informationsbeschaffung spielen. Zunehmend dient es auch als interaktiver Kanal für andere Medien. So gibt es bereits einige Fernsehsendungen, die via Telefon bestimmte Reaktionen des Publikums entgegennehmen. Doch auch bei den Sprachmehrwertdiensten geht die Entwicklung weiter. Hier liegt das Hauptaugenmerk auf der Interaktivität des Mediums.

Tipps zum Geld sparen
Leider können Sie bei dieser Art der Kommunikation keinerlei Nachttarife oder ähnliche Vergünstigungen für sich in Anspruch nehmen. Daher kostet der Spaß immer entsprechende Gebühren. Doch wenn Sie auf einige Dinge achten, vermeiden Sie den großen Schrecken, wenn die Telefonrechnung kommt:

  • Rufen Sie in erster Linie Nummern im Inland an. Alle Sprachmehrwertdienste in Deutschland kappen die Leitung nach einer Stunde. So halten sich die Ausgaben noch in erträglichen Grenzen.
  • Meiden Sie grundsätzlich Rufnummern im Ausland mit einer zweistelligen Null in der Vorwahl (00..). Falls Sie sich dennoch für ein Angebot interessieren, legen Sie spätestens dann auf, wenn ein extrem langer Vorspann am anderen Ende abläuft. Denn bereits jetzt müssen Sie dafür zahlen. Oft treffen Sie auch nur auf ein verrauschtes Band, direkte Kommunikation mit mehreren Leuten ist eher die Seltenheit.
  • Informieren Sie sich über die Service-Leistung (0130) des jeweiligen deutschen Anbieters über Handhabung und Inhalte der einzelnen Dienste. So sparen Sie Geld, bevor Sie erst nach einem bestimmten Zeitraum feststellen, daß die angerufene Nummer doch nicht das Richtige für Sie ist. Bei allen Diensten erfahren Sie bereits zu Beginn die betreffenden Service-Nummern. Ausländische Anbieter richtigen in aller Regel keine kostenlosen Service-Lines ein.
  • Verschaffen Sie sich einen genauen Überblick, wie lange Sie bereits im System sind. Legen Sie sich eine Uhr sichtbar in Ihren Nähe. Am besten, Sie ermitteln mit einer Stoppuhr die Zeit, die Sie bereits in dem Dienst verbringen.
  • Gerade bei interaktiven Systemen, die Sie per Tonwahl steuern, müssen Sie sich nicht den gesamten Informationsteil anhören. Waren Sie bereits mehrmals in dem betreffenden System, so akzeptiert der Dienst in den meisten Fällen auch direkte Eingaben während einer Ansage. So sparen Sie kostbare Zeit und vermeiden unnötiges Warten.


Über den Autor:
Redaktionsbüro Lindo http://www.lindo.de.


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